
Der Podcast zum verstanden fühlen und Gefühle verstehen - Psychologie, Selbstreflexion und Achtsamkeit stehen hier im Fokus der Betrachtung. Als angehende Psychologin möchte ich dazu beitragen, psychologisches Wissen für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen und das ehrliche Teilen von Gefühlen zu normalisieren. ForscherInnen haben herausgefunden, dass das Zeigen von Verletzlichkeit* ein direkter Ausdruck von Mut ist. Jedoch deuten viele Menschen es immer noch fälschlicherweise als ein Zeichen von Schwäche, wenn jemand sich verletzlich* zeigt. Indem ich offen und ehrlich über meine persönlichen Erfahrungen spreche, möchte ich auf möglichst subtile Weise zur Selbstreflexion anregen, ohne eine Illusion der Perfektion vorzutäuschen. Gefühle wie Scham, Angst und Wut gehören genauso zum Leben dazu wie Freude, Freiheit und Dankbarkeit. Wir alle haben Emotionen und wir alle lernen mit ihnen umzugehen. Auch teilen wir alle die psychologischen Bedürfnisse nach Bindung, Kontrolle, Selbstbestimmung, Selbstwert und Lust sowie diverse kognitive Verzerrungen. Also lasst uns doch lieber voneinander lernen, anstatt so zu tun als hätten wir im Vergleich zu den anderen immer alles im Griff. - * Verletzlichkeit (engl. vulnerability) wird in der Forschung verstanden als Ungewissheit, Risiko und emotionale Exposition.
Episodes

Friday May 21, 2021
Zerstreute Aufmerksamkeit & innere Unruhe durch digitale Medien.
Friday May 21, 2021
Friday May 21, 2021
Aufgrund der ständigen Ablenkung durch digitale Medien und insbesondere Smartphones haben sich neue Aufmerksamkeitsstrukturen in Menschen herausgebildet. Es fühlt sich so an, als wären ständig zu viele Tabs auf einmal geöffnet. Zudem kommt es zu immer weniger Flow-Erlebnissen im Alltag. In dieser Podcastfolge wird beleuchtet, warum das so ist, und was man dagegen tun kann.
In eine mediale Konversation involviert zu sein oder die Verfügbarkeit für diese sicherzustellen, wird nahezu an jedem Ort und zu jeder Zeit vorausgesetzt. Auch wenn sich Menschen im Gespräch mit einer physisch anwesenden Person befinden, im Straßenverkehr unterwegs sind oder eine Mahlzeit zu sich nehmen, wird die Aufmerksamkeit häufig auf das Smartphone-Display gerichtet. Das zentrale Problem von Menschen, die in einer informationsintensiven Umgebung leben, ist, dass sie aufgrund der großen Menge an eingehenden Informationen, nicht in der Lage sind diese zu sortieren und zu verarbeiten (Berardi, 2009; Berthon & Pitt, 2019; Davenport & Beck, 2001). Durch die permanente Smartphone- Nutzung wird eine „fragmentierte Aufmerksamkeit antrainier[t]“(Markowetz et al., 2015, S. 121). O’Donell (2015) beschreibt ein Aufmerksamkeitsdefizit als typisches Merkmal von Individuen, die sich in einer informationsgesättigten Umgebung entwickeln.
Markowetz et al. (2015) weisen darauf hin, dass durch eine Überflutung von Informationen und Reizen der Zustand der „optimalen Beanspruchung“ verlassen wird, wodurch im Alltag weniger Flow-Erlebnisse wahrgenommen werden. Nach Csikszentmihalyi (1985) beschreibt Flow ein „holistische[s] Gefühl bei völligem Aufgehen in einer Tätigkeit.“ (S. 58 f.). Eine Voraussetzung sowie ein charakteristisches Merkmal des Flow-Phänomens stellt eine für die handelnde Person optimale Herausforderung der Tätigkeit dar. Dies bedeutet, dass die Anforderungen der Situation und die Fähigkeiten eines Menschen in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen, sodass dieser sich weder unternoch überfordert fühlt (Csikszentmihalyi, 1998).
Menschen sind in jedem Moment unzähligen Reizen, wie Gerüchen, Bildern, Tönen und Berührungen, ausgesetzt. Die Aufmerksamkeit hilft bei der Entscheidung, worauf die Konzentration gerichtet und welches Ziel verfolgt werden soll (Urner, 2019). Achtsamkeit wird in der westlichen Welt häufig mit Aufmerksamkeit gleichgesetzt bzw. als besondere Form dieser betrachtet (Berthon & Pitt, 2019; Grossman, 2015; Lomas, 2016). „[T]he Buddhist notion of mindfulness cannot be made within the tight contours of a cognitive model of attention and meta-cognition but requires a much broader contextual, perhaps even constitutive, framework.“ (Grossman, 2015, p. 21). "
Die Selbstregulierung der Aufmerksamkeit wird allgemein als zentrales Element der Achtsamkeit angesehen und findet daher in fast allen Konzeptualisierungen von Achtsamkeit Berücksichtigung (vgl. Bergomi et al., 2013a). Menschen können ihre Aufmerksamkeit gezielt und bewusst auf bestimmte Inhalte lenken. Die Herausforderung besteht darin, diese dort zu halten und sich nicht durch Gedanken oder andere Reize ablenken zu lassen. Nach Bishop et al. (2004) führt die Selbstregulation der Aufmerksamkeit unter anderem dazu, dass diese als Reaktion auf eine Änderung der Anforderungen absichtlich angepasst und über längere Zeit hinweg auf bestimmte äußere oder innere Reize gerichtet werden kann. Dies bildet einen starken Kontrast zu den Auswirkungen von permanenter Mediennutzung.
Literatur:
Berardi, F. (2009). Precarious Rhapsodies. London: Minor Compositions.
Bergomi, C., Tschacher, W., & Kupper, Z. (2013). Measuring Mindfulness: First Steps Towards the Development of a Comprehensive Mindfulness Scale. Mindfulness, 4(1), pp. 18–32. DOI: 10.1007/s12671-012-0102-9.
Berthon, P. R., & Pitt, L. F. (2019). Mindfulness in an Age of Digital Distraction.Business Horizons, 62(2), pp. 131-137. DOI: 10.1016/j.bushor.2018.10.003.
Csikszentmihalyi, M. (1975). Beyond Boredom and Anxiety. San Francisco: Jossey-Bass.
Csikszentmihalyi, M. (1998). Finding Flow: The Psychology of Engaging with Everyday Life. New York, NY: Basic Books
Davenport, T. H., & Beck, J. C. (2001). The Attention Economy. Boston: Harvard Business School Press.
Grossman, P. (2015). Mindfulness: Awareness Informed by an Embodied Ethic.Mindfulness, 6, pp. 17-22. DOI: 10.1007/s12671-014-0372-5.
Lomas, T. (2016). Recontextualizing Mindfulness: Theravada Buddhist Perspectives on the Ethical and Spiritual Dimensions of Awareness. Psychology of Religion and Spirituality, 9(2), pp. 209-219. DOI: 10.1037/rel0000080.
Markowetz, A., Schwarz, A.-K., & Wielpütz, J. (2015). Digitaler Burnout. Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist. München: Knaur.
O'Donnell, A. (2015). Contemplative Pedagogy and Mindfulness: Developing Creative Attention in an Age of Distraction. Journal of Philosophy of Education, 49(2), pp. 187-202. DOI: 10.1111/1467-9752.12136.
Urner, M. (2019). Schluss mit dem täglichen Weltuntergang. Wie wir uns gegen die digitale Vermüllung unserer Gehirne wehren. München: Droemer.
Comments (0)
To leave or reply to comments, please download free Podbean or
No Comments
To leave or reply to comments,
please download free Podbean App.